Richtige Injektionstechnik beim Insulinspritzen


Vortrag von Fr. Mag. Sylvia Weißenbacher  

Themen: 1. Richtige Injektionstechnik beim Insulinspritzen

              2. Blutzuckermessen – aber richtig!

              3. Neue Produkte auf dem Markt

 

Fr. Mag. Sylvia Weißenbacher beim Vortrag

 

Obmann Walter Tesch dankt für den interessanten Vortrag

 

Überreichung einer Ehren-Urkunde

 

Gespannte Aufmerksamkeit im Auditorium

 

1. Richtige Injektionstechnik beim Insulinspritzen:

Hier sind einige wichtige Punkte zu beachten:

Bei Bildung einer Hautfalte zur Insulininjektion mittels Pen oder Spritze muss man darauf achten, nur das Fettgewebe und nicht das darunter liegende Muskelgewebe mit anzuheben. In diesem Fall können auch etwas längere Pennadeln verwendet werden, da nicht die Gefahr besteht, das Insulin ungewollt in den Muskel zu spritzen.

Verzichtet man auf das Bilden einer Hautfalte, müssen demnach etwas kürzere Pennadeln verwendet werden, oder es wird in einem 45°-Winkel in die Haut eingestochen – so verhindert man wieder das versehentliche Injizieren in das Muskelgewebe.

Die Wahl der richtigen Injektionsstelle:

Am besten geeignet für das Spritzen von Insulin ist der Bauch. Man muss allerdings darauf achten, die Spritzstellen zu variieren. Würde man immer in die gleiche Stelle spritzen, kann es zur Ausbildung von Gewebswucherungen (Lipodystrophien) kommen, die man als Verhärtungen zuerst tasten und später auch als Hügel sehen kann. Insulin, das in diese Stellen gespritzt wird, wirkt nicht zuverlässig und v. a. ist die Wirkung teilweise schwer vorhersagbar.

Weitere Spritzstellen für Insulin sind die Außenseiten der Oberschenkel oder der Oberarm (es ist schwierig, hier eine Hautfalte zu bilden; Nadel könnte knicken, wenn der Pen nach dem Einstich stark bewegt wird)

Die richtige Nadellänge:

Pennadeln und auch Nadeln für Injektionsspritzen werden in unterschiedlicher Länge angeboten. Je nach Beschaffenheit des Unterhautfettgewebes soll man die passende Nadellänge auswählen.

Nur sehr schlanke Personen sollten die kürzesten Nadeln (5mm) verwenden, für sehr viele Menschen ist die mittlere Länge (8mm) ideal und für übergewichtige Personen stehen Nadeln mit 12,7mm zur Verfügung.

Beachten Sie bitte, dass bei Verwendung von zu kurzen Nadeln Insulin durch den Gewebsdruck wieder aus der Haut hinaus gedrückt werden kann und dadurch zu wenig Insulin zur Wirkung kommt.

Es gibt auch Studien darüber, dass der Einstich von längeren Nadeln NICHT mehr weh tut als der von kürzeren Nadeln!

Wiederverwendung von Nadeln:

Pennadeln, Insulinspritzen und Lanzetten sind vom Hersteller als Einmalprodukte deklariert, d.h. nicht für die Wiederverwendung vorgesehen.

Durch den extrem feinen Schliff der Nadeln, der ein möglichst schmerzfreies Einstechen garantieren soll, weisen diese nach mehrmaligem Gebrauch schon Beschädigungen wie kleine Widerhaken, Verlust der Gleitschicht und Korrosionen auf. Die Nadel wird stumpf – der Einstich wird dadurch immer schmerzhafter. Durch die Widerhaken wird das Gewebe geschädigt – die vorher besprochenen Wucherungen (Lipodystrophien) werden verstärkt.

Dazu kommt noch, dass die Nadeln bereits nach einmaligem Gebrauch bereits verkeimt sind (bei der Untersuchung mit dem Mikroskop sind auf der Nadelspitze Bakterien und Viren zu erkennen) – die Infektionsgefahr steigt.

Ein weiterer Grund spricht gegen die Wiederverwendung von Insulinkanülen – Insulin kann im Inneren der Kanüle auskristallisieren und diese dadurch verstopfen. Verzichtet man in diesem Fall auf die Durchgängigkeitsprobe der Pennadel (Abgabe von 1-2 Einheiten Insulin in die Luft), kann es sein, dass man zu wenig oder gar kein Insulin in den Körper injiziert!

Abschließend sei noch auf 2 Dinge hingewiesen:

Beachten Sie, dass in manchen Ländern noch immer Insulin mit der Stärke U40 im Handel ist (z.B. in einem Urlaubsland wie Kroatien ist NUR U40 Insulin verfügbar). Nehmen Sie aus diesem Grund ausreichend U100 Insulin in Ihrem Reisegepäck mit!

 

Alle Insulinpens – Fa. Novo, Lilly und Aventis - haben heute das gleiche Gewinde für die Pennadeln – das bedeutet, dass alle Pennadeln, auch die dünnsten von BD, auf alle Pens passen!!

Sollten Sie noch einen alten Optipen für Aventis-Insulin besitzen (erkennbar an der Alu-Patronenhalterung), müssen Sie die dafür passenden Nadeln anfordern.

 

2. Blutzuckermessen aber richtig!

Hier ein paar Tipps aus der Praxis für richtige Blutzuckermessung:

  • Hände gründlich mit warmen Wasser und Seife waschen – Zuckerreste von vorhergehender Nahrungsaufnahme könnten den Wert verfälschen.
     

  • Um einen ausreichend großen Blutstropfen zu gewinnen, kreisen Sie mit dem Arm einige Male und lassen Sie ihn nach unten hängen. Pressen Sie NIEMALS einen Blutstropfen aus der Einstichstellen, da dann mit herausgedrückte Gewebsflüssigkeit den Wert verfälschen kann. Ein sanftes Ausstreichen von der Handfläche den Finger entlang reicht meistens aus.
     

  • Nicht im Zentrum der Fingerkuppe, sondern seitlich einstechen – hier sitzen weniger Nervenendigungen und der Einstich schmerzt weniger.
     

  • Im Krankenhaus wird vor der Blutzuckermessung die Stelle desinfiziert. Sollten Sie das zu Hause genauso handhaben, wischen Sie den ersten Blutstropfen mit einem Tupfer ab und verwenden Sie erst den zweiten Blutstropfen zur Bestimmung des Blutzuckerwertes. Reste des Desinfektionsmittels könnten den Wert verfälschen.

Blutzuckermessung an alternativen Stellen:

Neben der Fingerkuppe sind auch andere Stellen zur Blutzuckermessung geeignet: der Unterarm, der Daumenballen und das Ohrläppchen.

Im Alltag ist die Messung am Unterarm durchaus von Bedeutung, da der Einstich hier weniger schmerzt und eine große Fläche verglichen mit der Fingerkuppe zur Verfügung steht. Achtung: Da der Blutzuckerwert am Unterarm bei raschen Änderungen erst mit einer Verzögerung von ca. einer halben Stunde erscheint, dürfen Messungen nur dann durchgeführt werden, wenn keine starken Schwankungen zu erwarten sind – also der morgendliche Nüchternwert, vor dem Essen, vor dem Schlafengehen. Nach dem Essen oder der Verabreichung von Insulin sollte nach wie vor an der Fingerkuppe gemessen werden.

Verfälschung des Blutzuckerwertes:

Manche Medikament können den angezeigten Blutzuckerwert verändern, indem sie chemisch mit dem Teststreifen reagieren. Beispiele dafür sind hohe Mengen an Vitamin C, Schmerzmittel wie Paracetamol oder andere im Körper vorkommende Kohlenhydrate. Beachten Sie bitte die Gebrauchsanweisung Ihres Blutzuckermessgerätes – hier müssen solche Angaben vorhanden sein!

 

3. Neue Produkte am Markt

Wellion Blutzuckermessgerät:

Ab März in Österreich verfügbar:

Sehr klein und handlich, nur 1 Mikroliter Blut, sehr großes Display

Besonderheit: Gerät kann bedient werden, ohne dass eine einzige Taste betätigt werden muss!

14- und 30-Tage Durchschnittswerte stehen zur Verfügung, für optimales Datenmanagement ist auch eine Software erhältlich.

Das Gerät wird geliefert mit der neuen Stechhilfe Autolet Impression, die zur besonders schmerzarmen Blutgewinnung an der Spitze mit einem Kranz von Druckkörperchen ausgestattet ist, die die Nervenendigungen an der Fingerkuppe stimulieren und dadurch den Schmerz beim Einstich massiv verringern. Weiters kann hier auch die Geschwindigkeit, mit der die Lanzette in die Haut einsticht, gewählt werden.

Neuropad Pflaster – Früherkennungstest für Nervenschädigungen am Fuß

Häufig haben Diabetiker Nervenschäden am Fuß – erkennbar durch Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen, aber auch verringertes Empfinden gegenüber Schmerz oder Temperatur. Meist werden diese Neuropathien beim Arzt im Zuge einer Fußuntersuchung festgestellt.

Der neue Test kann sehr einfach auch zu Hause durchgeführt werden.

Man klebt auf jeden Fußballen ein Neuropad Pflaster auf und wartet genau 10 Minuten. Nach dieser Zeit sollte das blaue Reaktionsfeld nach rosa umgeschlagen sein – das bedeutet, dass KEINE Nervenschädigung vorliegt. Ist das Feld halb blau und halb rosa (beginnende Nervenschädigung) oder bleibt es blau, sollte besonders auf eine exakte Einstellung des Blutzuckers geachtet werden, da hier schon Schädigungen bestehen.

Besonders wichtig ist es auch, die äußerst trockene Haut an den Füßen mit harnstoffhältigen Pflegeschäumen oder Salben zu behandeln, um Einrisse, Infektionen oder Pilzerkrankungen zu vermeiden.

Weißenbacher (Fa. MED TRUST) am 20.Jänner 2005 in Hainburg