Dr. Gerda Maria Huber  
Fachärztin für Neurologie

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Depression – Symptome, Auswirkungen und medikamentöse Therapie

 

Depressionen gehören wie auch die Manie, Dysthymie und Zyklomanie zur Gruppe der affektiven Störungen. Hauptmerkmal ist eine Änderung der Grundstimmung. Halten diese Symptome länger als 2 Wochen, spricht man von einer Major Depression.

Leichtere Formen werden als Dysthymie bezeichnet, welche jahrelange bestehen können und häufig chronifizieren.

Bei bipolare Störungen wechseln sich gedrückte und gehobene Stimmungslage ab.

Gemeinsamkeiten der affektiven Störungen finden sich auch in der unterschiedlichen Schwere der Symptome, dem Auftreten von körperlichen Beschwerden, eine saisonale Bindung und auch ein Wiederauftreten der Beschwerden in unterschiedlichen Zeitintervallen.

Depressionen zählen gemeinsam mit Angstkrankheiten zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Pro 1000 Personen / Jahr finden sich 2,5 - 4,4% Neuerkrankungen (25-45 Personen) – dies entspricht einem Lebenszeitrisiko von 15-18%, wobei Frauen 2 mal so häufig betroffen sind wie Männer.

Es ist auch eine Zunahme im Auftreten von leichten Depressionen und Angsterkrankungen zu verzeichnen. Ursachen dürften Lebensbedingungen, Familienstrukturen und die gehobenen Leistungsanforderungen sein.

Erstauftreten zumeist im 3. Lebensjahrzehnt.

Depressionen treten in Episoden oder Phasen auf, welche häufig auch selbstlimitierend sind. Medikamente und Psychotherapie verkürzen diese Phasen, pro Episode steigt allerdings das Risiko eines neuerlichen Auftretens der Depression. Ungünstig für den Krankheitsverlauf ist ein früher Krankheitsbeginn und eine unvollständige Rückbildung der Symptome.

Häufig treten Depressionen gemeinsam mit folgenden weiteren psychischen Störungen auf:

Affektive Störungen zeigen massive Auswirkung auf Beruf und Partnerschaft und führen zur sozialen Isolierung. Das Selbstmordrisiko ist auf 40-70% erhöht. Bei wiederkehrenden Episoden ist das Auftreten von körperlichen Beschwerden häufig, diese stehen dann oft im Zentrum der Erkrankung.

Episoden von Niedergeschlagenheit, Verzagtheit nach Trennungen oder Enttäuschung sind normal. Die Trennlinie zur Krankheit ist oft schwierig zu ziehen. Entscheidend sind immer Intensität der Beschwerden, Dauer und Beeinträchtigung des normalen Lebens. 

Symptome der Depression:

Im Zentrum der depressiven Verstimmung stehen:

Depressive Stimmungslage:

Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, aber auch Verminderung von Gefühlen mit Emotionslosigkeit, wie auch die Unfähigkeit auf Ereignisse zu reagieren.

Bei 70 – 80% der Patienten treten Angstzustände auf.

Häufig liegt eine Irritierbarkeit der Gefühle vor, wie auch Überforderung durch Aufgaben, welche bisher leicht bewältigt wurden. Es zeigen sich Tagesschwankungen, wobei sich der Patient am Morgen oft am schlechtesten fühlt und sich bis zum Abend erholt;

Eine Traurigkeit ist nicht immer erkennbar!!!! - Eine gefasste Fassade wird auch als „smiling depression“ bezeichnet.

Körperliche Beschwerden können Depressionen verschleiern und so die Therapie unmöglich machen – viele Patienten gehen von Arzt zu Arzt, unterziehen sich häufig auch sehr unangenehmen Untersuchungen, wobei selten krankhafte Veränderungen gefunden werden und leiden so oft viele Jahre an ihren Symptomen, ohne Hilfe zu erhalten.

Schlafstörungen:

Sind häufig und führen zu nächtlichem Grübeln und Gedankenkreisen. Obwohl der Patient erschöpft im Bett liegt, kann er nicht schlafen. 

Interessensverlust und Freudlosigkeit:

Haushalt und Körperpflege werden vernachlässigt, ebenso die berufliche Tätigkeit eingeschränkt. Es kommt zu einem sozialen Rückzug, wobei die Patienten die Wohnung nur in Begleitung verlassen und dies schließlich ganz vermeiden.

Auch der Kontakt zu Bekannten und Verwandten wird eingeschränkt. Hobbys und Freizeitaktivitäten werden weniger und die Frage, ob es Dinge im Leben gibt, die dem Patienten Freude bereiten wird zumeist mit „Nein“ beantwortet.

Häufig sind die Gedankengänge träge, der Patient unfähig Entscheidungen zu treffen, die Konzentration lässt schnell nach, Interesse am Tagesgeschehen erlischt. Dieser Zustand kann bis zur depressiven Pseudodemenz reichen – eine Unterscheidung vom M. Alzheimer ist dann schwierig.

Gewichtsverlust:

70% der Depressiven leiden an Gewichtsverlust.

Schuldgefühle:

Auch länger zurück liegende Ereignisse werden wieder in den Vordergrund gerückt, der Patient kann sich nicht davon distanzieren.

Selbstwert und Selbstvertrauen:

Auch die Vergangenheit wird verzerrt wahrgenommen, es entsteht der Eindruck nie etwas geschafft zu haben.

Diese Einstellung führt oft zu überstürzten Handlungen, wie Übersiedelung in ein Heim oder die Ablehnung von Hilfsangeboten.

Psychomotorik:

Der Gesichtsausdruck ist häufig starr, die Gestik reduziert, die Sprache leise und zögerlich; auch ein vermehrtes Jammern und Klagen kann auftreten, die Patienten klammern sich teilweise vermehrt an Angehörige.

Vegetative Beschwerden:

Verstopfung, Mundtrockenheit, Muskelkrämpfe, Herzbeschwerden, Ohrgeräusche, Übelkeit, Magenbeschwerden, Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Schmerzen und Störungen der Sexualfunktionen.

 

Sonderformen der depressiven Störungen:

Melancholische Persönlichkeiten:

Dazu gehören viele Menschen mit hohem Bestreben nach Pflichterfüllung und Rechtmachen für andere. Die Ansprüche an die persönlichen Leistungen sind sehr hoch und überdurchschnittlich.

Sind noch zusätzliche Belastungsfaktoren vorhanden, kann sich eine Depression entwickeln.

Saisonal bedingte Depressionen:

Depressive Symptome treten im Spätherbst oder Winter auf und klingen im Frühling ab.

Seltener sind Sommerdepressionen; In dieser Zeit kommt es zu einer Energielosigkeit, Gewichtszunahme, überhöhtem Schlafbedarf und Bedürfnis nach kohlehydratreicher Kost. Eine Lichttherapie (2 Stunden täglich mit 10 000 Lux) ist in diesen Fällen erfolgreich.

Ursachen einer depressiven Erkrankung:

Diagnose:

Ausschluß organischer Erkrankungen:

    

Dazu gehören:

Stoffwechselerkrankungen:

  1. Nebenniere

  2. Schilddrüse

  3. AIDS

  4. Mangeldurchblutung im Gehirn

  5. Schlaf Apnoe Syndrom

  6. Schlaganfälle

  7. Epilepsie

  8. Demenzen (50%)

  9. M. Parkinson

  10. Krebserkrankungen

Medikamente können Depressionen auslösen:

  1. Antihypertensiva – zur Senkung eines erhöhten Blutdrucks
  2. Digitalis
  3. Kortison
  4. Glaukom Medikamente
  5. Antibiotika
  6. Zytostatika
  7. Levodopa
  8. Absetzen von Benzodiazepinen, Nikotin und Coffein
  9. Muskelrelaxantien
  10. Opiate

Alkoholismus:

Als Begleiterkrankung oder auch als Ursache für Depressionen

30-40% aller Alkoholkranker leiden auch an einer Depression;

Therapie:

Eine medikamentöse Therapie ist in den meisten Fällen zielführend, speziell die Gruppe der selektiven Serotonin Reuptake Inhibitoren (SSRI) ist gut verträglich und verbessert die Lebensqualität beträchtlich. Abhängigkeit und Gewöhnungseffekte treten in dieser Medikamentengruppe nicht auf.

Sollte sich die Symptome unter Einstellung auf eines dieser Medikamente nicht bessern oder Unverträglichkeiten auftreten, so gibt es noch weitere wichtige Substanzgruppen, welche einen therapeutischen Erfolg herbeiführen.

Der erste Schritt zum Therapieerfolg ist immer das Gespräch mit dem behandelnden Arzt!