Diabetes und Bewegung

Sport trotz Diabetes                      GKK  www.stgkk.at

 

Vortrag am 23.05.07 beim Diabetes-Infotag der STGKK in Graz

    

 

    von Dr. Athanasius Puskuris
      Arzt für Allgemeinmedizin und Teamarzt bei Sturm
      Chefarzt der STGKK
 

 

          Positive Auswirkungen

   ° Sport steigert das allgemeine Wohlbefinden  und fördert das Selbstvertrauen 
       und die Selbstständigkeit im Alltag, weil man die eigene Leistungsfähigkeit erfährt!

     °  Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt positiv auf viele Risikofaktoren für
        Herz-Kreislauf-Erkrankungen , beispielsweise Blutdruck oder Blutfettwerte.

     °  Eine dauerhafte Umstellung auf einen aktiven Lebensstil kann bei Personen mit
        gestörter Glukosetoleranz  das Risiko für einen Typ-2-Diabetes verringern.

 

        Wann  kann Sport gefährlich sein ?

      °  Typ-2-Diabetiker, die unter Folgeerkrankungen  (z.B. ein diabetisches 
        Fußsyndrom)
leiden, können deren Entwicklung durch ungeeignete 
        körperliche Aktivität beschleunigen.

     °  Bei körperlicher  Aktivität erhöht sich die Insulinempfindlichkeit der
        Körperzellen. Wenn nicht vorher die Dosis an Insulin oder Sulfonylharnstoffen
        reduziert wurde, kann es zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen. 

     °  Sulfonylharnstoffe, Insulin: Je nach Intensität und Dauer der körperlichen
       Aktivität kann es nötig sein, die Dosis zu verringern oder die Tablette vor
       dem Sport sogar wegzulassen. 

 

          Energiebedarf des Körpers beim Sport

        Bei körperlicher Aktivität stellt der Körper Energie bereit aus

     ° Kohlenhydraten
        (bester  Energielieferant, doch limitiert)

     ° Fetten
        (im Körper viele Reserven, doch bringen sie eine nicht so gute Leistung)

     ° und Eiweiß

      Kohlenhydrate sind in der Leber (400 - 500kcal bei einem Körpergewicht
      von 70kg) und in den Muskeln (1100 kcal) gespeichert.

  

          Bei körperlicher Aktivität steigt der Energiebedarf   

     ° Die Muskeln benötigen mehr Energie!   

     ° Die Energie kommt

         °
aus den Muskeln
         Freisetzung von Traubenzucker aus den Glykosespeichern 
 

         ° aus der Leber 
       
Freisetzung von Traubenzucker aus dem Glukosespeicher 
      
  Neubildung von Traubenzucker aus anderen Stoffen

          ° aus den Fettdepots
           Verbrennung von Fettsäuren

          ° aus der Nahrung

            

          Gluconeogenese - Raubbau

     ° Beim aeroben Ausdauertraining ermöglicht die ausreichende
        Sauerstoffzufuhr die Glukoseverwertung, die Fettverbrennung steigert sich
        langsam. Nur bei extremen Ausdauer-Belastungen, wenn Glukose und
        Fette  verbraucht sind, greift die Leber auf Eiweiß  zurück, um daraus
        Glukose zu machen (Glukoneogenese) - "Raubbau"

   

          Insulin und Glucagon

     ° Insulin senkt den Blutzucker und hemmt die Freisetzung von Glukose und
       Fetten aus der Leber = Speichersignal des Körpers.

     ° Glucagon bewirkt die Freisetzung von Glukose aus der Leber =
        Hungersignal des Körpers.

 

          Insulinausschüttung bei körperlicher Aktivität bei
         Nicht-Diabetikern 

     ° Betreiben Nicht-Diabetiker Ausdauertraining,  sinkt die Insulinfreisetzung => die
        Leber gibt mehr Glukose und Fett ab, die Insulinempfindlichkeit  steigt => die
        Muskeln können mehr Glukose und Fett verarbeiten => erhöhter Energieverbrauch.
        Das Muskelglykogen  (Speicherzucker) wird abgebaut, dann das Leberglykogen.
        Nach ca. 1/2 Stunde beginnt die Fettverbrennung und setzt nach drei Stunden
        voll ein, nach vier Stunden greift die Leber auch auf Eiweiß zurück.

      ° Der Insulinspiegel sinkt bei körperlicher Aktivität ab. Dadurch wird der
        Zuckernachschub aus der Leber möglich. Aber etwas Insulin muss vorhanden sein !

     ° Der Traubenzuchertransport in die Zellen ist erleichtert.

     ° Der Blutzucker bleibt normal.

     ° Nach der Aktivität werden die Speicher in Muskeln und Leber wieder aufgefüllt.

     ° Diabetiker

 

          Insulinausschüttung bei körperlicher Aktivität 
          bei  Diabetikern

     ° Diabetiker müssen daher beim Training die Insulinzufuhr verringern
       und/oder die Kohlenhydratzufuhr erhöhen - Sport-BEs. Wie viel ist abhängig
       von der Art, der Intenstät und Dauer des Trainings, von der Tageszeit und
       demTrainingszustand  - je besser trainiert, desto  besser der Speicher.

 

          Hypoglykämie

     ° Vor Sportbeginn sollte der BZ auf 150-180 mg/dl angehoben werden, um
       Unterzuckerungen vorzubeugen. Nach dem Sport füllen Muskeln und Leber
       ihre Speicher wieder auf, der BZ sinkt. Dies kann bei  langandauernder
       körperlicher Aktivität mehrere Tage dauern => Hypo-Risiko auch in der Nacht!

     ° Besonders gefährlich ist es, wenn man nach dem Sport  Alkohol trinkt,
       da dieser die Leber hemmt !


            

          Hyperglykämie

     ° Ist der BZ vor Sportbeginn erhöht (>  250 mg/dl), sollte man Azeton messen,
        um festzustellen, ob ein absoluter Insulinmangel vorliegt. Bei Azeton keinen Sport
        betreiben, mit Insulin korrigieren und viel trinken. Schon bei leicht erhöhtem
        BZ kommt es zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust und zu Austrocknung => Viel
        trinken !

     ° Trainiert man mit hohem BZ (Insulunmangel), kann die Glukose nicht in die
        Muskeln strömen, Leber und Muskeln schütten vermehrt Glukose und Fette
        aus, die in Ketonkörper umgewandelt werden => BZ und Azeton steigen
        noch weiter an.

 

          Achtung ! Keine körperliche Aktivität bei absolutem
          Insulinmangel !

        Bei Blutzucker über 240  mg/dl (13.3 mmol/l) und Azeton ++/+++: 

     ° Sofort Normalinsulin/kurzwirkendes Analoginsulin spritzen !

     °  Viel  Wasser trinken !

   

          Pulsgesteuertes Training

     ° Pulsgesteuertes Training ist wichtig, um die Leistung richtig aufbauen zu können.
        Vor Beginn eines regelmäßigen Trainings sollte man sich fachärztlich
        untersuchen lassen (Internist, Sportarzt)  und mit einer Ergometrie die  maximale
        Leistungsfähigkeit bestimmen lassen. Danach richtet sich die richtige
        Pulsfrequenz beim Training.

 

          Ausdauertraining

     ° Moderates Ausdauertraining mind. 3x pro Woche etwa  1/2 Stunde wirkt sich
         langfristig günstig auf die Kondition und die Stoffwechsellage aus.

     ° Bei gestörter Glukosetoleranz  (beginnender Typ 2-Diabetes) kann ein
       moderates Ausdauertraining von 150 Minuten pro Woche den Ausbruch
       des Diabetes verhindern !

 

          Training bei diabetischen Folgeschäden ist - mit
          Vorsicht (!) - durchaus günstig

     ° Retinopathie:  Ausdauertraining, kein Kraft- oder Kampf-sport nach
       dem Lasern - 6 Wochen Pause

     ° Nephropathie: Blutdruck- Normalisierung wichtig !

     ° Neuropathie - peripher: Immer die Füße auf Druckstellen untersuchen
        und gutes Schuhwerk tragen !

     ° Nicht barfuss laufen !

     ° Autonome Neuropathie: Puls kann sich nicht rasch anpassen -
        regelmäßiges Belastungs-EKG

  

          Konsequenzen für insulinbehandelte Diabetiker

     ° Muskelarbeit verstärkt die Insulinarbeit!
       Achtung: Unterzuckerungsgefahr !

     ° Deshalb Insulin vermindern und/oder  kohlenhydrathaltige Nahrungsmitte essen.

     ° Aber: Etwas Insulin wird immer  benötigt ! 
       Sonst kommt es zum Blutzuckeranstieg mit Ketoazidosegefahr.

 

          Zusatz-BE

     ° Faustregel:

        Pro 30 Minuten Aktivität mittlerer Intensität 1 Zusatz BE  essen!

      Geeignete Zusatz BE:

       "langsame" BE                                                "schnelle" BE
     °
Brot                                                                   ° Saft
     ° Apfel                                                                 ° Traubenzucker
     ° Banane                                                             ° Rosinen
     ° Schokolade                                                      ° Cola

 

          Geeignete Sportarten

        Kampfsportarten:                                                      Ballspiele:
        ° Ringen                                                                     ° Fußball
        ° Judo                                                                         ° Handball
        ° Karate                                                                      ° Vollayball
        ° Aikedo                                                                     ° Basketball
        ° Taekwondo                                                             ° Hockey
                                                                                           ° Rugby

           Wassersportarten:                                                   Gymnastik 
         ° Schwimmen
         ° Rudern und Kanu
         ° Segeln
         ° Surfen
         ° Wasserski

 
  

          Ungeeignete Sportarten

           Kampfsportarten:
           ° Boxen
           ° Gewichtheben

           Wassersportarten:
           ° Wildwasserkajak
           ° Tauchen

 

          Ist Sport immer  gesund ?

             Sportart  geeignet ?
             ° Was könnte bei einer Unterzuckerung passieren ?

             Gesundheitliche Einschränkungen ?
             ° Diabetesbedingte Folgeerkrankungen
                z. B. Retinopathie, Neuropathie
             ° Herz-Kreislauf-Erkrankungen
               z.B. Erkrankungen der Herzkranzgefäße, arterielle Verschlusskrankheit,
               schlecht eingestellter Blutdruck
             ° Andere Erkrankungen

     

 

Vielen Dank für

Ihre Aufmerksamkeit

 

                                                STGKK

 

 

      Ich danke der STGKK

           Herrn Obmann  Josef Pesserl
           Herrn Gen. Dir. KoR. Herbert Gritzner
           und Herrn Dr. Athanasius Puskuris
           dass wir diese PPP. benutzen dürfen.

            Walter Tesch