Diabetes mellitus und Niere

Vortrag von OA. Dr. Helga Strauss-Steurer, KH der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, Interne Abteilung, am 6. Mai 2004 in Hainburg

"In Österreich leben etwa 400 000 Diabetiker, davon über 90% Typ 2. Ca. 20 – 30% bekommen Nierenprobleme (diab. Nephropathie). 1/3 aller Dialysepatienten sind Diabetiker", leitete Frau OA Dr. Strauss-Steurer ihren interessanten Vortrag im vollen Saal des KH Hainburg ein.

Die Aufgaben der Niere sind:

- Harnproduktion - Wasserhaushalt

- Säure- und Basen - Haushalt

- Salzregulierung

- Entgiftung

- Kreislauf- Blutdruckregulation

- Blutbildung (Erythropoetin)

- Knochenstoffwechsel (VIT. D, Phosphor, Calcium, Parathormon)

Diabetes führt zu Verödung der Nierenkörperchen (Glomerulosklerose) und Verdickung und Durchlässigkeit des Nierenfilters > zunehmende Nierenschwäche. Die Folgen der chronischen Nierenschwäche sind Ödeme, ‘Harnvergiftung’ (Ansammlung von über 250 Giftstoffen!), Übersäuerung des Blutes, hohes Kalium, Natrium, Phosphor, Osteoporose, hoher Blutdruck.

Bei terminaler Nierenschwäche: künstliche Blutwäsche = chronische Dialyse. In Österreich gibt es etwa 60 Dialysezentren für ca. 3150 Dialysepatienten, ca. 33% davon haben als Ursache der Nierenschwäche Diabetes!

In der Folge wird eventuell eine Nierentransplantation durchgeführt - ca. 400 Nierentransplantationen pro Jahr, ca. 3150 Patienten mit funktionierendem Transplantat.

Wie kann man dies vermeiden?

Diabetes und Bluthochdruck (UKPDS, CAPPP, HOT-Studie u.a.)

Bluthochdruck ist bei Diabetikern 2 x häufiger, als in der übrigen Bevölkerung, d. h. jeder zweite Diabetiker hat auch einen erhöhten Blutdruck! Blutdruck ist der Hauptfaktor für das Fortschreiten des diabetischen Nierenschadens. Diabetiker haben einen größeren Profit von der Blutdruck-Senkung als Nicht-Diabetiker >

strengere Blutdruck-Einstellung:

< 130/85mm Hg. In der Selbstmessung sollten 75% unter 135/85mm Hg liegen. Ein normaler Blutdruck ist mit Medikamenten erreichbar - mit Monotherapie in ca. 30 %, einer 2er Kombination in ca. 70 – 85 %, einer 3er Kombination in > 90% der Fälle.

Damit kann man erreichen:

 

Risikofaktoren

Diabetes        Blutdruck        Blutfette        Rauchen

 

- Herz: Schwäche, Infarkt

- Hirn: Schlaganfall, Blutung

- Gefäße: gestörte Durchblutung

- Niere: Nierenversagen

- Augen: Sehstörungen

 

Behandlung der diabetischen Nierenschwäche

Diät bei chron. Niereninsuffizienz

EIWEISSARM (2 x wöchentlich Fleisch, 1 x Fisch)

NATRIUMARM (Kochsalz einsparen)

KALIUMARM (keine Bananen, Gemüse und Kartoffeln wässern, Kompott usw.)

PHOSPHATARM (keine Milchprodukte)

REICHLICH FLÜSSIGKEIT (mind. 3 Liter täglich)

AUSREICHENDE KALORIENZUFUHR (Kohlenhydrate)

VITAMINREICH

 

Abschließend erzählte uns Frau OA Dr. Strauss-Steurer von einer Umfrage: 
Wer ist für Ihre Gesundheit verantwortlich? mit dem Ergebnis:

Arzt ( 36 – 44 %)
Sozialversicherung (20 %)
Gesundheitsminister (10 %)
Selbst (22 %)

"Diese Daten sprechen für sich und geben Ihnen Recht, Ihre Erkrankung AKTIV zu bewältigen. Viel Erfolg dabei und Danke für die Einladung", schloss Frau OA Dr. Strauss-Steurer ihren interessanten Vortrag, nach dem sie noch auf viele Fragen einging.

Vielen Dank!

Walter Tesch

Dr. Helga Grillmayr (Text)