Gesunde ausgewogene Ernährung

Vortrag von Frau Mag. Birgit Pelzmann, Ernährungswissenschafterin

beim Diabetiker Hainburg Selbsthilfeverein am, 20.10.2005

 

 Übersicht

°  Therapieziele
°  Diabetikerkost = gesunde Ernährung
°  Vorsicht: Auf die Fette ist zu achten!
°  Was sind BE und KH? GI?
°  Unterschied: Zucker, Zuckeraustauschstoffe, Süßstoffe
°  Wie sinnvoll sind Diabetiker - Lebensmittel
°  Tipps für jeden Tag
°  Gesunder Lebensstil!

 

Therapieziele bei Diabetes mellitus (DM)
 

°  Normnahe Blutglukose - Werte
°  Normnahe HBA1c - Werte 
°  Optimierung der Blutfette (Cholesterin, Triglyceride)
°  Optimierung des Blutdrucks
°  Optimierung des Körpergewichts
°  Vermeidung von schweren Hypo- und Hyperglykämien
°  Verhinderung von Folgeschäden des DM (Augen, Nieren, Füße. Blutgefäße)

 

Gut und zufrieden mit Diabetes leben....

Zur Erreichung der Therapieziele
ist Eigenverantwortung
der Schlüssel zum Erfolg

        gesundes Essen                                         Bewegung                                         Wohlbefinden
        nach der Pyramide                                            täglich                                        psychisches Gleichgewicht
      Auf die Fette achten!                                  in Alltag einbauen                          Zeit zum Entspannen nehmen
 " 5 am Tag" Obst&Gemüse                          individuell angepasst                     mehr Dinge tun, die mir gut tun

 

Die noch vor 20 Jahren empfohlene
Diabetesdiät ist überholt...

°  Die "moderne Diabetesdiät" ist keine Diät,
   sondern eine  gesunde Ernährung!
°  Essen nach der Pyramide!
°  5x am Tag
Obst & Gemüse
°  Wenig Fett und versteckte Fette
° Auf die Menge und die richtige Auswahl der Lebensmittel kommt es an!
  


Die Lebensmittelpyramide

 

°  Je größer das Feld, desto mehr  sollen Sie von dieser Lebensmittelgruppe essen.
°  Es gibt keine Verbote!

 

                                                      Mehr Obst und Gemüse

°
  5 Portionen täglich - über den Tag verteilen - 2x Obst und 3x Gemüse
°  1 Portion entspricht 1 Handvoll
°  Obst am besten frisch
°  Gemüse zählt in jeder Form: roh, gekocht oder als Salat,
   Suppe,...(außer frittiert oder mit viel Zucker zubereitet)
°  Obst & Gemüse eignet sich hervorragend als Zwischenmahlzeit!
°  Gemüse lässt den Blutzucker nicht bzw. kaum ansteigen.
°  Obst enthält zwar Zucker, aber v. a. wertvolle Vitamine und Mineralstoffe.

 

Fett einsparen!

°  Mit Fett wie mit einem sehr teuren Gewürz umgehen!
°  Pflanzliches statt tierisches Fett verwenden!
°  Auch das "gesunde" Olivenöl und Kürbiskernöl ist ein Fett und soll sehr sparsam verwendet werden!
°   Ziel: 3-4 EL Fett/Öl pro Tag - Streichfett, Kochfett/öl, Salatöl

 

                                           Wo stecken die "versteckten Fette"?

   
Hauptsächlich in
°  fettem Fleisch und Wurstwaren
°  Paniertem und Frittierten
°  fettem Käse und fetten Milchprodukten
°  fetten Snacks (z.B. Pommes Frites)
°  Kuchen, Torten, Blätterteig....
°  Schokolade und Süßigkeiten

 

Welche Hauptnährstoffe bzw. LM sind Blutzucker wirksam?

°  Kohlenhydrate:
° 
Zucker, Honig, Kuchen, Marmelade, Schokolade, Süßigkeiten, Limonaden, Fruchtsaft, Obst
°   Getreideprodukte (Brot, Semmeln, Reis, Nudeln, Müsli),
°   Kartoffeln,
°  Milch, Milchprodukte

°  Fett:
° 
Pflanzenöle und Fette, Butter, Margarine

°  Eiweiss:
°  Fleisch, Wurst, Ei,( Milch u.- produkte)  Hülsenfrüchte

Was passiert im Körper?

°  Die Nahrung wird im Magen-Darm-Trakt zu kleinsten Einheiten zerlegt
   Kohlenhydrate > Zucker (= Glukose)
°  Glukose geht ins Blut > Blutzuckeranstieg
°  Jetzt ist die Bauchspeicheldrüse dran > Insulin
°  Insulin ist der Schlüssel für die Zelle, damit der Zucker aus dem Blut in die Zelle hineingelangt.

 

                                               KH sind nicht gleich KH


   Es gibt "schnellere" und "langsamere" Kohlenhydrate:
°  Zucker, zuckerhaltige Getränke, Obstsaft                                                                              schießen ins Blut
°  Weißmehlprodukte (z.B. Weißmehlsemmeln, Tostbrot), Obst                                            strömen ins Blut
°  Vollkorngetreideprodukte (Vollkornbrot,-teigwaren, Vollreis), Kartoffeln                           fließen ins Blut
°  Milch, Jogurt, Dickmilch, Kefir                                                                                               tropfen ins Blut
°  Gemüse, Hülsenfrüchte                                                                                                           sickern ins Blut

Quelle: modifiziert nach Institut für Ernährungsinformation, Bad Rippoldsau  2003

 

                                                     Broteinheiten (BE)

°
Nur interessant für Diabetiker mit Insulintherapie
°  BE ist eine Einheit, um verzehrte Kohlenhydrate besser abschätzen zu können
°  Es geht jedoch nicht darum, BE so weit als möglich zu vermeiden - sondern sie sinnvoll über
   den Tag zu verteilen und eine gute Auswahl an KH zu treffen  

 

Insulin und Kohlenhydrate

müssen aufeinander abgestimmt sein,

Insulin---------------KH (in BE)

damit der Blutzucker nicht zu hoch bzw. auch nicht zu niedrig ist.

 

                                  Beispiele für eine empfehlenswerte BE- Aufteilung

65-jährige Frau mit körperlicher Betätigung;
15 BE pro Tag zur Verfügung

°  Frühstück:                                                          3 BE
°  Zwischenmahlzeit:                                            2 BE
°  Mittagessen:                                                     4 BE
°  Zwischenmahlzeit:                                            2 BE
°  Abendessen:                                                    4 BE
°  (Spätmahlzeit)

 

                                       15 BE in Lebensmitteln angegeben

°  3 BE Frühstück: 2 Scheiben Vollkornbrot mit Schinken, Käse und 1 Apfel
°  2 BE ZW-MZ: 1 Becher Jogurt
°  4 BE Mittagessen: Gemüsesuppe, Grenadiermarsch  mit grünem Salat (aus 2 Kartoffeln und..40 g
               rohe Fleckerl)
°  2 BE ZW-MZ: 1 Banane
°  4 BE Abendessen: 3 Scheiben Vollkornbrot mit Mozzarella und Tomaten
°  ca. 2 Liter Wasser über den Tag verteilt trinken

 

                                      Vorteile einer gesunden Ernährung

°  Keine zu großen Blutzuckerspitzen und-tiefen (Hypo- und Hyperglykämien werden vermieden!)
°  Alle nötigen Vitamine und Mineralstoffe werden aufgenommen (keine Supplemente nötig!)
°  Das Körpergewicht wird reduziert bzw. gehalten, ohne Diät - sondern durch eine langfristige
   Ernährungsumstellung!

 

                                             Glykämischer Index (GI)

°  Wissenschaftlicher Ausdruck für die Steigerung des Blutzuckers nach Verzehr einer bestimmten
   Menge an Lebensmitteln im Vergleich zu reiner Glukose
°  Vereinfacht: Einteilung in schnelle und langsame Kohlenhydrate     

 

                                              Diabetiker - Lebensmittel

   mit kalorienhältigen Zuckeraustauschstoffen werden von Fachgesellschaften heute nicht mehr empfohlen, da
-  sie keine bzw. kaum Vorteile bringen
-  meist mehr Fett enthalten
-  viel teurer sind als herkömmliche Produkte
  
Fazit: sehr wenig naschen - aber dafür mit Genuss!
   

 

                                                             Zucker ?

°  Zucker hat verschiedene Namen, z.B:
°  Traubenzucker (Glukose)
°  Haushaltszucker, = Kristallzucker (Saccharose)
°  Maltodextrin, Glukosesirup,.....
°  Fruchtzucker (Fruktose)
   Zucker in reiner Form ist zu meiden.

°  Zuckeraustauschstoffe und Fruchtzucker
   schwacher bis kein Blutzuckeranstieg, enthalten aber gleich viel Energie wie Zucker
-  Sorbit,  Mannit, Xylit, Maltit, Isomalt,...

°  Süßstoffe
   sind (nahezu) energiefrei, lassen den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen  und können als Süßungsmittel
   eingesetzt werden
-  Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam, Thaumatin,... 

 

                                                                 Getränke

°  Jede/r soll täglich mind. 1,5 - 2 Liter Flüssigkeit trinken.
°  Am besten sind kalorienfreie Getränke, wie Leitungswasser, Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee.
°  Daneben können in Maßen Kaffee (ohne Zucker), schwarzer Tee oder mit Süßstoff hergestellte
   Erfrischungsgetränke genossen werden.

 

                                                       Tipps für jeden Tag

°  Regelmäßig das Gewicht kontrollieren, etwa einmal pro Woche, und das Normalgewicht halten
   oder anstreben.
°  Lebensmittel mit langsam verwertbaren Kohlenhydraten wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte,
    Gemüse und Kartoffeln bevorzugen.
°  Schnell verwertbare  Kohlenhydrate wie Süßigkeiten, Gebäck usw. reduzieren oder vermeiden.
°  Fettarme Lebensmittel und Zubereitungsarten auswählen.
°  5-6 Mahlzeiten über den Tag verteilen, um Blutzuckerspitzen und Unterzucker zu vermeiden.
°  Täglich 1,5 - 2 Liter trinken.
°  Alkoholhaltige Getränke reduzieren oder vermeiden.
°  Beim Essen unterwegs geeignete Speisen auswählen.

 

                                       Einen gesunden Lebensstil wählen....

°  Neben richtigem Essen und Trinken für ausreichende Bewegung, z.B.:
-  Radfahren
-  Spazieren, Wandern
-  (Nordic) Walking
-  Gymnastik
°  Entspannung und Wohlbefinden sorgen.

                                Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 
 

   Dank an Frau Mag. Birgit Pelzmann für den sehr interessanten Vortrag.
                                                                                                                                         Walter Tesch