Diabetes und Ernährung - Teil II,  Vitamine

 

Dr. Karmen Elcic-Mihaljevic · Ärztin für Allgemeinmedizin

(Vortrag für Diabetiker Hainburg · 21.04.2005)

 

MIKRO-NÄHRSTOFFE: VITAMINE

ZUSAMMENFASSUNG

 

Man kann die Mikro-Nährstoffe in vier Gruppen unterteilen:

Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzstoffe.

Wie der Name schon sagt („Vita“ = Leben), sind Vitamine – winzige organische Bausteine lebensnotwendige Stoffe, welche für wichtige Funktionen wie zum Beispiel Abwehr von Infektionskrankheiten, Wachstum oder Sehkraft, um nur einige zu nennen, verantwortlich sind. Ferner wirken sie bei der Verbrennung der Kohlenhydrate, beim Bau von Zellen aus Aminosäuren, beim Fetttransport oder bei der Muskelarbeit mit.


Vitamine sind essentielle Nährstoffe, das heißt, Vitamine können von unserem Körper nicht selbst erzeugt werden (Ausnahme Vitamin D durch Sonnenbestrahlung) und müssen deshalb über unsere Nahrung zugeführt werden.


Vitamine liefern keine Energie.


Ein Mangel an nur einem einzigen Vitamin kann den gesamten Stoffwechsel und die Gesundheit beeinträchtigen! Bei zu geringer Aufnahme von Vitaminen kommt es zu unspezifischen Auswirkungen wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder Konzentrationsschwächen. Hier spricht man von einer Hypovitaminose. Bei schwerwiegender Unterversorgung nimmt das Krankheitsbild ausgeprägte Formen an. Hier handelt es sich um eine Avitaminose (Skorbut = Vitamin C-Mangel, Rachitis = Vitamin D-Mangel).

Grundsätzlich wird zwischen 2 Gruppen von Vitaminen unterschieden, nämlich zwischen den wasserlöslichen und den fettlöslichen.

 

Fettlösliche Vitamine:

A (Retinol)                            

D (Calciferol)           

E (Tocopherol)                    

K (Phyllochinon)                  

 

Von den fettlöslichen Vitaminen (und Vitamin B12) können relativ große Speicher angelegt werden, die übrigen wasserlöslichen Vitamine werden nur in kleineren Mengen gespeichert. Daher ist eine Überdosierung nur mit fettlöslichen Vitaminen möglich.

 

Vitamin A

 
Vitamin A (Retinol) ist nur in Nahrungsmittel tierischer Herkunft zu finden: Fleisch, Fleischprodukte, Milch, Milchprodukte, Eier, Fisch. Eine Vorstufe von Vitamin A, ß-Karotin, die Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandeln kann, ist in pflanzlichen Nahrungsmitten zu finden. Vor allem in Karotten aber auch in anderen Obst und Gemüsesorten, die gelblich oder orange-rot gefärbt sind, ist viel ß-Karotin erhalten. Tagesbedarf* an Vitamin A (Retinol): Mann 1mg, Frau 0.8mg (Schwangerschaft 1.1mg, Stillen 1.5mg); Vegetarier und Veganer sollen beachten: Tagesbedarf an ß-Karotin ist höher: 2-4mg! Praktischer Tipp: ß-Karotin wird aus rohen grob zerkleinerten Karotten praktisch nicht resorbiert – besser gekocht und mit etwas Fett abschmeckt!

Vorkommen und Tagesbedarf  → bitte siehe Tabelle unten

Vitamin A ist von Bedeutung für den Sehvorgang und es hilft dem Aufbau und der Erhaltung von der Haut und Schleimhaut sowie der Knorpelgewebe.

Als ein antioxidatives Vitamin stärkt es die Immunabwehr des Organismus.

Es übt auch eine wichtige Rolle in der Fortpflanzung aus: Produktion von männlichen Sexualhormon – Testosteron – und Spermien, sowie die Entwicklung von Fötus wird unterstützt.

Bei gemischter Kost kommt ein Mangel an Vitamin A in westlichen Industrieländern selten vor. Gefährdet sind  Veganer und chronisch Erkrankte (z.B. chronische Pankreatitis).

Mangelerscheinungen: brüchige Fingernägel, trockene Haut, Hautausschläge, Infektionsanfälligkeit, Sehstörungen, Nachtblindheit.

Die typische Mangelerscheinung im fortgeschrittenen Stadium ist die Xerophtalmie (Hornhautzerstörung) die unbehandelt zu Erblindung führt.

Leider, es leiden weltweit cirka 15 000 000 Kinder unter 5 Jahre an A-Vitamin Mangel, 500 000 erblinden jährlich, 60% davon sterben wenige Monate später.

Eine Überdosierung mit Vitamin A ist zwar selten, aber doch möglich. Das passiert am ehesten durch die Einnahme von hochkonzentrierten Vitaminpräparaten (Missbrauch oder Nebenwirkung bei Aknetherapie). Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Erbrechen, Hautveränderungen, Haarausfall, Lebervergrößerung.

 

Vitamin D

Es bestehen 2 aktiven Formen des D Vitamins: Cholecalciferol oder D3 – tierisches Vitamin D und Ergocalciferol oder D2 – pflanzliches Vitamin D. 

 

Cholecalciferol können wir aus Vorstufen in Haut mit Hilfe der UV-Strahlen auch selbst bilden. Daher ist Vitamin D3, streng genommen, kein Vitamin - Vitamine sind essentielle Nährstoffe! Wenn der Mensch etwas Sonnenlicht bekommt – es genügt schon eine Sonnenexposition von 15 Minuten auf Händen-, Gesicht- und Armflächen an mehreren Tagen der Woche – kann er über 90% des Vitamin D3 – Tagesbedarfes selbst synthetisieren. Vitamin D3 finden wir vor allem im fettreichen Fisch (Lachs, Thunfisch, Hering) und Vitamin D2 in Pilzen und Spinat.

Tagesbedarf* an Vitamin D (Vitamin D2 und D3 sind gleichwertig): Mann und Frau 5µg, Senioren (Alter 65 und mehr) 10µg und Neugeborene sowie Säuglinge 20µg.

Vorkommen und Tagesbedarf  → bitte siehe Tabelle unten

Die klassische Vitamin D Funktionen dienen der Aufrechterhaltung des Kalziums und Phosphat-Haushaltes. Vitamin D steuert die Knochenbau und Zahnbildung  in Kindheit sowie Erhaltung der Knochendichte- und Stärke in Erwachsenalter.

Außerdem, unterstützt Vitamin D die Funktion von Muskeln, Bindegewebe, Haut, Bauchspeicheldrüse (Insulinausschüttung!) und Zellen des Immunsystems und es hemmt Tumorzellenwachstum.

Vitamin D Mangel in Kindheit führt zu Rachitis. Symptome sind Verformung der Knochen, vor allem Brustbein, Schädel, Wirbelsäule, Schwäche der Muskeln, Karies und Lustlosigkeit.  Diese Krankheit trat besonders oft in Industrieländern des 19. Jahrhunderts wie England („Englische Krankheit“) und Amerika auf. In Boston litten um die Jahrhundertswende ca. 80% Kinder der ärmeren Schichten an Knochenverformungen. Beim Erwachsenen nennt man solche Verformung Osteomalazie und die folgende Entkalkung Osteoporose. Zur Vorbeugung der Osteoporose ist also auch Vitamin D wichtig um eine optimale Resorption des Kalziums aus Darm zu gewährleisten. Heutzutage ist in westlichen Ländern das Vorkommen von Rachitis äußerst selten. Gefährdet durch Vitamin D Mangel sind Säuglinge, Senioren, Veganer, chronisch Erkrankte (z.B. Crohn Krankheit, Leberzirrhose), Fettleibige.

Eine Überdosierung durch Ernährung und Sonnenbestrahlung ist praktisch unmöglich. Eine Überdosierung von Vitamin-D-Präparaten kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durst und Muskelschwäche führen. In schweren Fällen kann zu lebensbedrohlichen Calciumüberschuss mit Halluzinationen, Koma und  schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen kommen.

Vitamin K

Es bestehen auch von Vitamin K zwei aktive Formen: Phyllochinon oder K1 - pflanzliches Vitamin K und Menachinone oder K2 - tierisches Vitamin K. An Vitamin K1 sind Sauerkraut, Kohlsprossen, Spinat und Weizenkeime reich. Vitamin K2 kommt in Leber und Eier vor. Der

Tagesbedarf* an Vitamin K ist nicht genau bekannt. Schätzwerte: Mann 70µg, Frau 60µg, Senioren (Alter 65 und mehr) 80µg.

Vorkommen und Tagesbedarf  → bitte siehe Tabelle unten

Vitamin K unterstützt gemeinsam mit Vitamin D Bindegewebe- und Knochenaufbau. Es wird für die Bildung von Gerinnungsfaktoren (II. VII. IX. X) in der Leber benötigt und somit für die normale Blutgerinnung notwendig.

Vitamin K Mangel wird an einer stark verlängerten Blutgerinnungszeit und der Neigung zu Blutungen so wie Zahnfleischblutung, Nasenblutung, starke Menstrualblutung, innere Blutungen, schlechte Wundheilung erkannt. Begleitend tritt eine Müdigkeit auf. Knochenmissbildungen sind möglich. Gefährdet sind Säuglinge, Veganer, Morbus Crohn Patienten, chronisch Leberkranke. Der klassische Vitamin K Mangel kommt bei voll gestillten Säuglingen vor. Bei Neugeborenen sind die einzelnen Komponenten des Blutgerinnungssystems vorhanden, jedoch erreihen die Vitamin K-abhängige Faktoren erst nach Wochen bis Monaten die Wirksamkeit wie bei erwachsenen Personen. Es kann zu Blutungen kommen, deren allerschlimmste Variante Hirnblutungen darstellen. Diese können zu irreversiblen Hirnschäden, bzw. zum Tod führen.

Eine Vitamin K Überdosierung durch Nährungszufuhr ist unbekannt.

Zur Thromboseprophylaxe wird oft ein Vitamin K Antagonist – z.B. Marcoumar® verordnet. Diese Patienten müssen nicht auf den Vitamin K Gehalt von Lebensmittel achten, solange sie ihre gewohnte Ernährungsweise beibehalten. Findet eine gravierende Umstellung statt, z.B. von gemischter Kost auf streng vegetarische Ernährung, so muss die Blutgerinnungszeit überprüft werden. 

Vitamin E (Tocopherol)

Es kommt vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Pflanzliche Öle, Vollkornprodukte und Nüsse sind besonders reich an Vitamin E.

Tagesbedarf* an Vitamin E: Mann 15mg, Frau 12mg, Schwangere 13mg, Stillende 17mg.

Vorkommen und Tagesbedarf  → bitte siehe Tabelle unten

Vitamin E wird in Nahrungsmittel selbst als Stabilisator für mehrfach ungesättigte Fettsäure verbraucht. Je höher der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in verzehrter Nahrung ist, desto weniger Vitamin E bleibt für die Funktionen, die es im menschlichen Körper auszuüben hat. Deswegen sind die Nahrungsmittel mit vorwiegend einfach gesättigten Fettsäuren zu bevorzugen: Olivenöl, Rapsöl, Haselnüsse.

Die wichtigste Aufgabe des Vitamins E, in Zusammenarbeit mit Vitamin C,  ist der Schutz vom oxidativen Stress.

Ein Mangel an Vitamin E kann durch Konsum von modern hergestellten Nahrungsmitteln entstehen. Besonders ungünstig sind Weißmehlprodukte sowie der Verzehr der ungesättigten Fettsäuren (z.B. Margarine, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl). Durch Umweltverschmutzung, Stress und Strahlungen steigt der Vitamin E Bedarf, sowie durch die chronischen Darm-, Leber- und Bauchspeicheldrüseerkrankungen. Auch die Medikamente, die die Aufnahme von Fett in Darm verhindern, reduzieren die Aufnahme aller fettlöslichen Vitamine. Eine eventuelle Überdosierung ist durch Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Muskelschwäche gekennzeichnet.

 

Vorkommen und Tagesbedarf der fettlöslichen Vitamine:

A - Retinol

A – ß-Karotin

D

E

K

5g Leber

100g Aal

100g Leberwurst

200g Thunfisch

300g Mozzarella

70g Kohl

70g Spinat

70g Karotten

70g roter Paprika

150g Salat

200g Marillen

300g Grapefruit

20g Hering

150g Pilze

150g Schmelzkäse

250g Rinderleber

250g Fisch

50g Haselnuss

100g Weizenkeime

120g Erdnuss

300g Garnellen

30ml Olivenöl

20g Weizenkeime

25g Kohlsprossen

50g Kalbsleber

120g Kartoffel

130g Spargel

3 Eier

 

 

 

Wasserlösliche Vitamine

C (Ascorbinsäure)

Vitamin B Komplex

Die wasserlöslichen Vitamine (außer B12) werden nur in kleinen Mengen gespeichert, die den Bedarf des Körpers an diesen Vitaminen nur für kurze Zeit decken können. Diese werden bei überhöhter Aufnahme mit dem Harn ausgeschieden, eine Überdosierung ist daher kaum möglich. Sehr hohe Dosen von Vitamin B6 und B3 können zu Nervenleiden, Magenbeschwerden und Durchfall führen.

 

Vitamin C - Ascorbinsäure. 

Dieses Vitamin ist in der Natur weit verbreitet, Hauptquellen sind Obst, Gemüse und Kartoffel.  

Die Zufuhrempfehlungen werden sehr kontrovers diskutiert. Derzeit ist noch  Tagesbedarf* an Vitamin C mit 100mg für Mann und Frau (110mg für Schwangere, 150mg für Stillende und Raucher) bestimmt.

Eine Erhöhung der Tagesbedarfdosis auf 200mg täglich auf Grund der neuerlichen wissenschaftlichen Resultate  scheint aber realistisch zu sein.

Vorkommen und Tagesbedarf (noch mit 100mg berechnet):

9g Hagebutte

70g Paprika

80g Broccoli oder Kohlsprossen

100g Kohl oder Fenchel

130 Karfiol

160g Zitrusfrüchte

200g Spinat oder Kohlrabi

250g Salat, Mangold, Lauch, Radieschen, Chinakohl,

400g Tomaten

450g Sauerkraut

650g Kartoffel

 

Vitamin C ist einer der wichtigsten Nahrungs-Inhaltsstoffe; es ist ein Antriebsmotor des gesamten Zellstoffwechsels und somit an unzähligen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Es wirkt, in Zusammenarbeit mit Vitamin E, als Antioxidans, unterstützt Produktion von zahlreichen Hormonen (z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Schilddrüsenhormone, Serotonin), sowie Collagen und Leukozyten, Carnitin und CytochromP450; fördert Eisenaufnahme aus Nahrung, kontrolliert Histaminspiegel usw.

Die klassische Vitamin C Mangelerscheinung ist Skorbut. Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschwäche und Muskelschmerzen, Blutungen in Haut, Gelenke, Muskel, Zahnfleischblutungen, Zahnausfall, Störung der Wundheilung, Blutarmut. Gefährdet sind vor allem chronisch  Kranke wie z.B. Diabetiker, Rheumatiker, sowie Raucher, Senioren, Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche im Wachstumsalter. Einige Medikamente wie z.B. Aspirin und Kontrazeptiva können den Tagesbedarf erhöhen.

 

Vitamin C ist empfindlich gegenüber Luft, Licht, Wasser und Wärme.

 

Aufbewahrungtipps:

trocken, kalt, dunkel – Kühlschrank

Einfrieren günstiger als lang liegen lassen

 

Zubereitungtipps:

roh wann immer geht

Kochen, Braten ungünstig

Blanchieren besser

 

 

 

 

 

Vitamin B Komplex

B1 (Thiamin)

B2 (Riboflavin)

B3 (Niacin)

B5 (Pantothensäure)

B6 (Pyridoxin)

B9 (Folsäure)

B12 (Cobalamin)

Biotin (Vitamin H)

 

B Vitamine kommen in der Natur nie vereinzelt vor. Sie sind für Energieerzeugung aus Eiweiß, Kohlenhydrate und Fetten zuständig.

 

Tagesbedarf* und Vorkommen:

B1 (Thiamin)

Mann 1mg, Frau 1.3mg

100g Schinken, 100g Schweinefleisch, 200g Reis, 200g Haferflocken,  300gScholle, 300g Erbsen, 300g Rinderleber, 300g Aal

B2 (Riboflavin)

Mann 1.5mg, Frau 1.2mg

50g Leber, 4 Eier, 150g Rogenkeime, 375g Käse, 750ml Milch

B3 (Niacin)

Mann 17mg, Frau 13mg

100g Kalbsleber, 120g Schweineleber, 200g Heilbutt, 200g Rindfleisch, 250g Lachs

B5 (Pantothensäure)

Mann und Frau 6mg

100g Leber, 4 Eier, 400g Wassermelone, 300g Naturreis

B6 (Pyridoxin)

Mann 1.5mg, Frau 1.2mg

45g Weizenkeime, 130g Sojabohne,  150g Hafervollkorn, 150g Rinderleber, 190g Hirse oder Naturreis, 220g Linse, 300g Rind- oder Schweinefleisch oder Fisch

B9 (Folsäure)

Mann und Frau 400µg

10g Bierhefe, 75g Weizenkeime, 100g Hühnerleber, 150g Sojabohne, 250g Leber, 400g grünes Gemüse

B12 (Cobalamin)

Mann und Frau 3 µg

5g Leber, 25g Hering, 30g Makrele, 60g Schweinefleisch, 90g Seelachs, 100g Rind- oder Lammfleisch, 150g Käse, 3 Eier, 300g Scholle, 500ml Kefir oder Vollmilch

Biotin (Vitamin H)

Mann und Frau 30-60µg

50g Rinderleber, 60g Kalbsleber, 85g Sojabohne, 150g Walnuss oder Erdnuss, 4 Eier

 

 

 

Die B Vitamine, mit Ausnahme von B12, können nur beschränkt im Körper gespeichert werden, deswegen tritt ein Vitamin B Mangel relativ oft vor: „schwache Nerven“, Schlaflosigkeit, Depressionen, Konzentrationsstörungen, Menstruationsprobleme, Blutarmut, Neurodermitis sind überlappende Zeichen einer Unterversorgung mit Vitamin B Komplex.

 

Vitamin                        Krankheit / Symptome                  

B1 (Thiamin)

 

Beriberi

abgeschwächte Reflexe, verminderte Sensibilität,

Muskelschwäche, Herzschwäche, Ödeme, Delirium

B2 (Riboflavin)

 

 

Hautveränderungen, Zahnfleischentzündungen, Zungenveränderungen, Mundwinckelrhagaden

B3 (Niacin)

 

Pellagra

Hautveränderungen: pigmentierte brennende oder juckende Stellen, Schwellungen, Blasen, Durchfall, Erbrechen; neurologische Symptome: Schmerzen, Taubheitsgefühl

B5 (Pantothensäure)

 

Sehnervschwund

„Burning feet“

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gesichtsfeldausfälle

Brennen in Füßen

B6 (Pyridoxin)

 

 

Polyneuropathie, Krämpfe und EEG-Veränderungen bei Kindern, Blutarmut

B9 (Folsäure)

 

Spina bifida

 

Anämie

 

Homocystein-Anstieg

Neuralrohrdefekt bei Neugeborenen als Folge des Folsäuremangels der Mutter

 

 

Risiko für KHK

B12 (Cobalamin)

 

 

generelle Blässe, Sehnervenentzündung, abgeschwächte Reflexe, Gangstörung, Appetitlosigkeit

perniziöse Anämie, Gelbsucht

 

Botin (Vitamin H)

 

 

Hautveränderungen, Haarausfall, Muskelschmerzen

Depression

 

 

In den letzten Jahren sind erhöhte Blutspiegel von Homocystein mit einem erhöhten Risiko vorzeitiger Herzgefäßerkrankung und Schlaganfällen in Verbindung gebracht worden. Homocystein ist eine Aminosäure welche in Folge einer fleischhaltigen Nahrungsaufnahme entsteht. Erhöhte Homocysteinspiegel können durch einen kombinierten Mangel an Vitamin B6, B9 und B12 verursacht werden.

Umgekehrt kann, selten aber doch, bei künstlicher Zufuhr, eine Überdosis an Vitamin B6 (Nervenschäden) und B3 (Leberschäden) auftreten.

*Tagesbedarf laut Deutsche Gesellschaft für Ernährung / 2000

 

Künstliche Zufuhr von Vitaminen – JA oder NEIN?

Eine Vielzahl von klinischen Studien befürwortet den Einsatz von zusätzlichen Vitaminpräparaten, andere können allerdings diese Forderung nicht bestätigen. Derzeit ist der entscheidende Beweis für die breite Vitaminsubstitution, sowohl bei den Diabetikern als auch generell, noch ausständig.

Klares JA liegt in folgenden Fällen vor:

 

Schwangere und Erhöhung der Homocysteinwerte

Vitamin B9 - Folsäure         400 µg/Tag

(oder 4000 µg/Tag falls schon ein Kind mit Spina bifida geboren)

in Kombination mit Vitaminen B12 und B6

 

Neugeborene

Vitamin K

 

Säuglinge

Vitamin D

 

Senioren

Vitamin D   10 µg/Tag

Calcium      1-1.5 g/Tag

 

chronische Erkrankungen mit Störung der Fettabsorption

(z.B. Pankreatitis, Lebererkrankungen, Morbus Crohn)

 

nachgewiesene Vitaminmangelzustände

 

Zusammenfassend kann daher für alle anderen folgende Empfehlung abgegeben werden

täglich:

 

Klinische Symptome, die auf einen spezifischen
Nährstoffmangel hinweisen könnten

 

Klinischer Befund

Ernährungsdefizit

Hautveränderungen

Punktiförmige Hautblutungen

Vitamin A, C

Unterhautblutungen

Vitamin C, K

Pigmentation

Vitamin B3

geringer Turgor (Hautspannung)

Wasser

Ödeme

Eiweiß, Vitamin B1

Blässe

Vitamin B9, H, B12, B6, Eisen

Dekubiti

Eiweis, Energie

schuppiges Haut

Vitamin B6, H, Zink, essenzielle Fettsäuren

schlechte Wundheilung

Vitamin C, Eiweiß, Zink

Mund und Lippen

Zungenentzündung

Vitamin B2, B3, B6, B12, Eisen

Zahnfleischentzündung

Vitamin C

Mundwinkeleinriss, Stomatitis

Vitamin B2, Eiweiß, Eisen

Lippenen-Entzündung, Einriss

Vitamin B2, B3, B6, Eiweiß

blasse Zunge

Vitamin B12, Eisen

atrophische Papillen

Vitamin B2, B3, Eisen

Augen

blasse Augenbinde

Vitamin B9, B12, Eisen

Nachtblindheit, Hornhautzerstörung

Vitamin A, Zink

Lichtscheue

Zink

Neurologische Symptome

Desorientiertheit, Verwirrung

Vitamin B1, B2, B12, Wasser

Depression, Lustlosigkeit

Vitamin H, B9, C

Schwäche, Lähmung der Beine

Vitamin B1, B5, B6, B12

periphere Neuropathie

Vitamin B2, B6, B12

Gangstörung

Vitamin B12

Hyporeflexie

Vitamin B1

Zuckungen, Krämpfe

Vitamin B6, Kalzium, Magnesium

Sonstige Symptome

Durchfall

Vitamin B3, B12

Anorexie

Vitamin B1, B12, C

Übelkeit

Vitamin B5, H

Müdigkeit, Lustlosigkeit

Vitamin H, Eisen, Magnesium, Energie

 

Nach: Pirlich M et al. DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung: Ernährungsstatus
Aktuel Ernaehr Med 2003; 28, Supplement 1: S10-S25

Wir danken Frau Dr. Karmen Elcic-Mihaljevic, für ihren ausführlichen Vortrag.  Walter Tesch