Diabetes und Ernährung - Teil II, Vitamine
![]() |
Dr. Karmen Elcic-Mihaljevic · Ärztin für Allgemeinmedizin
(Vortrag für Diabetiker Hainburg · 21.04.2005)
MIKRO-NÄHRSTOFFE: VITAMINE
ZUSAMMENFASSUNG
Man kann die Mikro-Nährstoffe in vier Gruppen unterteilen:
Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzstoffe.
Wie der Name schon sagt („Vita“ = Leben), sind Vitamine – winzige organische Bausteine – lebensnotwendige Stoffe, welche für wichtige Funktionen wie zum Beispiel Abwehr von Infektionskrankheiten, Wachstum oder Sehkraft, um nur einige zu nennen, verantwortlich sind. Ferner wirken sie bei der Verbrennung der Kohlenhydrate, beim Bau von Zellen aus Aminosäuren, beim Fetttransport oder bei der Muskelarbeit mit.
Vitamine sind essentielle Nährstoffe, das heißt, Vitamine können von
unserem Körper nicht selbst erzeugt werden (Ausnahme Vitamin D durch
Sonnenbestrahlung) und müssen deshalb über unsere Nahrung zugeführt werden.
Vitamine liefern keine Energie.
Ein Mangel an nur einem einzigen Vitamin kann den gesamten Stoffwechsel und die
Gesundheit beeinträchtigen! Bei zu geringer Aufnahme von Vitaminen kommt es zu
unspezifischen Auswirkungen wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder
Konzentrationsschwächen. Hier spricht man von einer Hypovitaminose. Bei
schwerwiegender Unterversorgung nimmt das Krankheitsbild ausgeprägte Formen an.
Hier handelt es sich um eine Avitaminose (Skorbut = Vitamin C-Mangel, Rachitis =
Vitamin D-Mangel).
Grundsätzlich wird zwischen 2 Gruppen von Vitaminen unterschieden, nämlich zwischen den wasserlöslichen und den fettlöslichen.
Fettlösliche Vitamine:
A (Retinol)
D (Calciferol)
E (Tocopherol)
K (Phyllochinon)
Von den fettlöslichen Vitaminen (und Vitamin B12) können relativ große Speicher angelegt werden, die übrigen wasserlöslichen Vitamine werden nur in kleineren Mengen gespeichert. Daher ist eine Überdosierung nur mit fettlöslichen Vitaminen möglich.
Vitamin A
Vitamin A (Retinol) ist
nur in Nahrungsmittel tierischer Herkunft zu finden: Fleisch, Fleischprodukte,
Milch, Milchprodukte, Eier, Fisch. Eine Vorstufe von Vitamin A, ß-Karotin, die
Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandeln kann, ist in pflanzlichen
Nahrungsmitten zu finden. Vor allem in Karotten aber auch in anderen Obst und
Gemüsesorten, die gelblich oder orange-rot gefärbt sind, ist viel ß-Karotin
erhalten. Tagesbedarf* an Vitamin A (Retinol): Mann 1mg, Frau 0.8mg
(Schwangerschaft 1.1mg, Stillen 1.5mg); Vegetarier und Veganer sollen beachten:
Tagesbedarf an ß-Karotin ist höher: 2-4mg! Praktischer Tipp: ß-Karotin wird aus
rohen grob zerkleinerten Karotten praktisch nicht resorbiert – besser gekocht
und mit etwas Fett abschmeckt!
Vorkommen
und Tagesbedarf → bitte siehe Tabelle unten
Vitamin A ist
von Bedeutung für den Sehvorgang und es hilft dem Aufbau und der Erhaltung von
der Haut und Schleimhaut sowie der Knorpelgewebe.
Als ein antioxidatives Vitamin stärkt es die Immunabwehr des Organismus.
Es übt auch eine wichtige Rolle in der Fortpflanzung aus: Produktion von männlichen Sexualhormon – Testosteron – und Spermien, sowie die Entwicklung von Fötus wird unterstützt.
Bei gemischter Kost kommt ein Mangel an Vitamin A in westlichen Industrieländern selten vor. Gefährdet sind Veganer und chronisch Erkrankte (z.B. chronische Pankreatitis).
Mangelerscheinungen: brüchige Fingernägel, trockene Haut, Hautausschläge, Infektionsanfälligkeit, Sehstörungen, Nachtblindheit.
Die typische Mangelerscheinung im fortgeschrittenen Stadium ist die Xerophtalmie (Hornhautzerstörung) die unbehandelt zu Erblindung führt.
Leider, es leiden weltweit cirka 15 000 000 Kinder unter 5 Jahre an A-Vitamin Mangel, 500 000 erblinden jährlich, 60% davon sterben wenige Monate später.
Eine Überdosierung mit Vitamin A ist zwar selten, aber doch möglich. Das passiert am ehesten durch die Einnahme von hochkonzentrierten Vitaminpräparaten (Missbrauch oder Nebenwirkung bei Aknetherapie). Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Erbrechen, Hautveränderungen, Haarausfall, Lebervergrößerung.
Vitamin D
Es bestehen 2 aktiven Formen des D Vitamins: Cholecalciferol oder D3 – tierisches Vitamin D und Ergocalciferol oder D2 – pflanzliches Vitamin D.
Cholecalciferol können wir aus Vorstufen in Haut mit Hilfe der UV-Strahlen auch selbst bilden. Daher ist Vitamin D3, streng genommen, kein Vitamin - Vitamine sind essentielle Nährstoffe! Wenn der Mensch etwas Sonnenlicht bekommt – es genügt schon eine Sonnenexposition von 15 Minuten auf Händen-, Gesicht- und Armflächen an mehreren Tagen der Woche – kann er über 90% des Vitamin D3 – Tagesbedarfes selbst synthetisieren. Vitamin D3 finden wir vor allem im fettreichen Fisch (Lachs, Thunfisch, Hering) und Vitamin D2 in Pilzen und Spinat.
Tagesbedarf* an Vitamin D (Vitamin D2 und D3 sind gleichwertig): Mann und Frau 5µg, Senioren (Alter 65 und mehr) 10µg und Neugeborene sowie Säuglinge 20µg.
Vorkommen und Tagesbedarf → bitte siehe Tabelle unten
Die klassische Vitamin D Funktionen dienen der Aufrechterhaltung des Kalziums und Phosphat-Haushaltes. Vitamin D steuert die Knochenbau und Zahnbildung in Kindheit sowie Erhaltung der Knochendichte- und Stärke in Erwachsenalter.
Außerdem, unterstützt Vitamin D die Funktion von Muskeln, Bindegewebe, Haut, Bauchspeicheldrüse (Insulinausschüttung!) und Zellen des Immunsystems und es hemmt Tumorzellenwachstum.
Vitamin D Mangel in Kindheit führt zu Rachitis. Symptome sind Verformung der Knochen, vor allem Brustbein, Schädel, Wirbelsäule, Schwäche der Muskeln, Karies und Lustlosigkeit. Diese Krankheit trat besonders oft in Industrieländern des 19. Jahrhunderts wie England („Englische Krankheit“) und Amerika auf. In Boston litten um die Jahrhundertswende ca. 80% Kinder der ärmeren Schichten an Knochenverformungen. Beim Erwachsenen nennt man solche Verformung Osteomalazie und die folgende Entkalkung Osteoporose. Zur Vorbeugung der Osteoporose ist also auch Vitamin D wichtig um eine optimale Resorption des Kalziums aus Darm zu gewährleisten. Heutzutage ist in westlichen Ländern das Vorkommen von Rachitis äußerst selten. Gefährdet durch Vitamin D Mangel sind Säuglinge, Senioren, Veganer, chronisch Erkrankte (z.B. Crohn Krankheit, Leberzirrhose), Fettleibige.
Eine Überdosierung durch Ernährung und Sonnenbestrahlung ist praktisch unmöglich. Eine Überdosierung von Vitamin-D-Präparaten kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durst und Muskelschwäche führen. In schweren Fällen kann zu lebensbedrohlichen Calciumüberschuss mit Halluzinationen, Koma und schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen kommen.
Vitamin K
Es bestehen auch von Vitamin K zwei aktive Formen: Phyllochinon oder K1 - pflanzliches Vitamin K und Menachinone oder K2 - tierisches Vitamin K. An Vitamin K1 sind Sauerkraut, Kohlsprossen, Spinat und Weizenkeime reich. Vitamin K2 kommt in Leber und Eier vor. Der
Tagesbedarf* an Vitamin K ist nicht genau bekannt. Schätzwerte: Mann 70µg, Frau 60µg, Senioren (Alter 65 und mehr) 80µg.
Vorkommen und Tagesbedarf → bitte siehe Tabelle unten
Vitamin K unterstützt gemeinsam mit Vitamin D Bindegewebe- und Knochenaufbau. Es wird für die Bildung von Gerinnungsfaktoren (II. VII. IX. X) in der Leber benötigt und somit für die normale Blutgerinnung notwendig.
Vitamin K Mangel wird an einer stark verlängerten Blutgerinnungszeit und der Neigung zu Blutungen so wie Zahnfleischblutung, Nasenblutung, starke Menstrualblutung, innere Blutungen, schlechte Wundheilung erkannt. Begleitend tritt eine Müdigkeit auf. Knochenmissbildungen sind möglich. Gefährdet sind Säuglinge, Veganer, Morbus Crohn Patienten, chronisch Leberkranke. Der klassische Vitamin K Mangel kommt bei voll gestillten Säuglingen vor. Bei Neugeborenen sind die einzelnen Komponenten des Blutgerinnungssystems vorhanden, jedoch erreihen die Vitamin K-abhängige Faktoren erst nach Wochen bis Monaten die Wirksamkeit wie bei erwachsenen Personen. Es kann zu Blutungen kommen, deren allerschlimmste Variante Hirnblutungen darstellen. Diese können zu irreversiblen Hirnschäden, bzw. zum Tod führen.
Eine Vitamin K Überdosierung durch Nährungszufuhr ist unbekannt.
Zur Thromboseprophylaxe wird oft ein Vitamin K Antagonist – z.B. Marcoumar® verordnet. Diese Patienten müssen nicht auf den Vitamin K Gehalt von Lebensmittel achten, solange sie ihre gewohnte Ernährungsweise beibehalten. Findet eine gravierende Umstellung statt, z.B. von gemischter Kost auf streng vegetarische Ernährung, so muss die Blutgerinnungszeit überprüft werden.
Vitamin E (Tocopherol)
Es kommt vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Pflanzliche Öle, Vollkornprodukte und Nüsse sind besonders reich an Vitamin E.
Tagesbedarf* an Vitamin E: Mann 15mg, Frau 12mg, Schwangere 13mg, Stillende 17mg.
Vorkommen und Tagesbedarf → bitte siehe Tabelle unten
Vitamin E wird in Nahrungsmittel selbst als Stabilisator für mehrfach ungesättigte Fettsäure verbraucht. Je höher der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in verzehrter Nahrung ist, desto weniger Vitamin E bleibt für die Funktionen, die es im menschlichen Körper auszuüben hat. Deswegen sind die Nahrungsmittel mit vorwiegend einfach gesättigten Fettsäuren zu bevorzugen: Olivenöl, Rapsöl, Haselnüsse.
Die wichtigste Aufgabe des Vitamins E, in Zusammenarbeit mit Vitamin C, ist der Schutz vom oxidativen Stress.
Ein Mangel an Vitamin E kann durch Konsum von modern hergestellten Nahrungsmitteln entstehen. Besonders ungünstig sind Weißmehlprodukte sowie der Verzehr der ungesättigten Fettsäuren (z.B. Margarine, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl). Durch Umweltverschmutzung, Stress und Strahlungen steigt der Vitamin E Bedarf, sowie durch die chronischen Darm-, Leber- und Bauchspeicheldrüseerkrankungen. Auch die Medikamente, die die Aufnahme von Fett in Darm verhindern, reduzieren die Aufnahme aller fettlöslichen Vitamine. Eine eventuelle Überdosierung ist durch Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Muskelschwäche gekennzeichnet.
Vorkommen und Tagesbedarf der fettlöslichen Vitamine:
|
A - Retinol |
A – ß-Karotin |
D |
E |
K |
|
5g Leber 100g Aal 100g Leberwurst 200g Thunfisch 300g Mozzarella |
70g Kohl 70g Spinat 70g Karotten 70g roter Paprika 150g Salat 200g Marillen 300g Grapefruit |
20g Hering 150g Pilze 150g Schmelzkäse 250g Rinderleber 250g Fisch |
50g Haselnuss 100g Weizenkeime 120g Erdnuss 300g Garnellen 30ml Olivenöl |
20g Weizenkeime 25g Kohlsprossen 50g Kalbsleber 120g Kartoffel 130g Spargel 3 Eier
|

Wasserlösliche Vitamine
C (Ascorbinsäure)
Vitamin B Komplex
Die wasserlöslichen Vitamine (außer B12) werden nur in kleinen Mengen gespeichert, die den Bedarf des Körpers an diesen Vitaminen nur für kurze Zeit decken können. Diese werden bei überhöhter Aufnahme mit dem Harn ausgeschieden, eine Überdosierung ist daher kaum möglich. Sehr hohe Dosen von Vitamin B6 und B3 können zu Nervenleiden, Magenbeschwerden und Durchfall führen.
Vitamin C - Ascorbinsäure.
Dieses Vitamin ist in der Natur weit verbreitet, Hauptquellen sind Obst, Gemüse und Kartoffel.
Die Zufuhrempfehlungen werden sehr kontrovers diskutiert. Derzeit ist noch Tagesbedarf* an Vitamin C mit 100mg für Mann und Frau (110mg für Schwangere, 150mg für Stillende und Raucher) bestimmt.
Eine Erhöhung der Tagesbedarfdosis auf 200mg täglich auf Grund der neuerlichen wissenschaftlichen Resultate scheint aber realistisch zu sein.
Vorkommen und Tagesbedarf (noch mit 100mg berechnet):
9g Hagebutte
70g Paprika
80g Broccoli oder Kohlsprossen
100g Kohl oder Fenchel
130 Karfiol
160g Zitrusfrüchte
200g Spinat oder Kohlrabi
250g Salat, Mangold, Lauch, Radieschen, Chinakohl,
400g Tomaten
450g Sauerkraut
650g Kartoffel
Vitamin C ist einer der wichtigsten Nahrungs-Inhaltsstoffe; es ist ein Antriebsmotor des gesamten Zellstoffwechsels und somit an unzähligen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Es wirkt, in Zusammenarbeit mit Vitamin E, als Antioxidans, unterstützt Produktion von zahlreichen Hormonen (z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Schilddrüsenhormone, Serotonin), sowie Collagen und Leukozyten, Carnitin und CytochromP450; fördert Eisenaufnahme aus Nahrung, kontrolliert Histaminspiegel usw.
Die klassische Vitamin C Mangelerscheinung ist Skorbut. Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschwäche und Muskelschmerzen, Blutungen in Haut, Gelenke, Muskel, Zahnfleischblutungen, Zahnausfall, Störung der Wundheilung, Blutarmut. Gefährdet sind vor allem chronisch Kranke wie z.B. Diabetiker, Rheumatiker, sowie Raucher, Senioren, Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche im Wachstumsalter. Einige Medikamente wie z.B. Aspirin und Kontrazeptiva können den Tagesbedarf erhöhen.
Vitamin C ist empfindlich gegenüber Luft, Licht, Wasser und Wärme.
Aufbewahrungtipps:
trocken, kalt, dunkel – Kühlschrank
Einfrieren günstiger als lang liegen lassen
Zubereitungtipps:
roh wann immer geht
Kochen, Braten ungünstig
Blanchieren besser

Vitamin B Komplex
B1 (Thiamin)
B2 (Riboflavin)
B3 (Niacin)
B5 (Pantothensäure)
B6 (Pyridoxin)
B9 (Folsäure)
B12 (Cobalamin)
Biotin (Vitamin H)
B Vitamine kommen in der Natur nie vereinzelt vor. Sie sind für Energieerzeugung aus Eiweiß, Kohlenhydrate und Fetten zuständig.
Tagesbedarf* und Vorkommen:
|
B1 (Thiamin) Mann 1mg, Frau 1.3mg |
100g Schinken, 100g Schweinefleisch, 200g Reis, 200g Haferflocken, 300gScholle, 300g Erbsen, 300g Rinderleber, 300g Aal |
|
B2 (Riboflavin) Mann 1.5mg, Frau 1.2mg |
50g Leber, 4 Eier, 150g Rogenkeime, 375g Käse, 750ml Milch |
|
B3 (Niacin) Mann 17mg, Frau 13mg |
100g Kalbsleber, 120g Schweineleber, 200g Heilbutt, 200g Rindfleisch, 250g Lachs |
|
B5 (Pantothensäure) Mann und Frau 6mg |
100g Leber, 4 Eier, 400g Wassermelone, 300g Naturreis |
|
B6 (Pyridoxin) Mann 1.5mg, Frau 1.2mg |
45g Weizenkeime, 130g Sojabohne, 150g Hafervollkorn, 150g Rinderleber, 190g Hirse oder Naturreis, 220g Linse, 300g Rind- oder Schweinefleisch oder Fisch |
|
B9 (Folsäure) Mann und Frau 400µg |
10g Bierhefe, 75g Weizenkeime, 100g Hühnerleber, 150g Sojabohne, 250g Leber, 400g grünes Gemüse |
|
B12 (Cobalamin) Mann und Frau 3 µg |
5g Leber, 25g Hering, 30g Makrele, 60g Schweinefleisch, 90g Seelachs, 100g Rind- oder Lammfleisch, 150g Käse, 3 Eier, 300g Scholle, 500ml Kefir oder Vollmilch |
|
Biotin (Vitamin H) Mann und Frau 30-60µg |
50g Rinderleber, 60g Kalbsleber, 85g Sojabohne, 150g Walnuss oder Erdnuss, 4 Eier |

Die B Vitamine, mit Ausnahme von B12, können nur beschränkt im Körper gespeichert werden, deswegen tritt ein Vitamin B Mangel relativ oft vor: „schwache Nerven“, Schlaflosigkeit, Depressionen, Konzentrationsstörungen, Menstruationsprobleme, Blutarmut, Neurodermitis sind überlappende Zeichen einer Unterversorgung mit Vitamin B Komplex.
Vitamin Krankheit / Symptome
|
B1 (Thiamin)
|
Beriberi |
abgeschwächte Reflexe, verminderte Sensibilität, Muskelschwäche, Herzschwäche, Ödeme, Delirium |
|
B2 (Riboflavin)
|
|
Hautveränderungen, Zahnfleischentzündungen, Zungenveränderungen, Mundwinckelrhagaden |
|
B3 (Niacin)
|
Pellagra |
Hautveränderungen: pigmentierte brennende oder juckende Stellen, Schwellungen, Blasen, Durchfall, Erbrechen; neurologische Symptome: Schmerzen, Taubheitsgefühl |
|
B5 (Pantothensäure)
|
Sehnervschwund „Burning feet“ |
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gesichtsfeldausfälle Brennen in Füßen |
|
B6 (Pyridoxin)
|
|
Polyneuropathie, Krämpfe und EEG-Veränderungen bei Kindern, Blutarmut |
|
B9 (Folsäure)
|
Spina bifida
Anämie
Homocystein-Anstieg |
Neuralrohrdefekt bei Neugeborenen als Folge des Folsäuremangels der Mutter
Risiko für KHK |
|
B12 (Cobalamin)
|
|
generelle Blässe, Sehnervenentzündung, abgeschwächte Reflexe, Gangstörung, Appetitlosigkeit perniziöse Anämie, Gelbsucht
|
|
Botin (Vitamin H)
|
|
Hautveränderungen, Haarausfall, Muskelschmerzen Depression
|
In den letzten Jahren sind erhöhte Blutspiegel von Homocystein mit einem erhöhten Risiko vorzeitiger Herzgefäßerkrankung und Schlaganfällen in Verbindung gebracht worden. Homocystein ist eine Aminosäure welche in Folge einer fleischhaltigen Nahrungsaufnahme entsteht. Erhöhte Homocysteinspiegel können durch einen kombinierten Mangel an Vitamin B6, B9 und B12 verursacht werden.
Umgekehrt kann, selten aber doch, bei künstlicher Zufuhr, eine Überdosis an Vitamin B6 (Nervenschäden) und B3 (Leberschäden) auftreten.
*Tagesbedarf laut Deutsche Gesellschaft für Ernährung / 2000
Künstliche Zufuhr von Vitaminen – JA oder NEIN?
Eine Vielzahl von klinischen Studien befürwortet den Einsatz von zusätzlichen Vitaminpräparaten, andere können allerdings diese Forderung nicht bestätigen. Derzeit ist der entscheidende Beweis für die breite Vitaminsubstitution, sowohl bei den Diabetikern als auch generell, noch ausständig.
Klares JA liegt in folgenden Fällen vor:
Schwangere und Erhöhung der Homocysteinwerte
Vitamin B9 - Folsäure 400 µg/Tag
(oder 4000 µg/Tag falls schon ein Kind mit Spina bifida geboren)
in Kombination mit Vitaminen B12 und B6
Neugeborene
Vitamin K
Säuglinge
Vitamin D
Senioren
Vitamin D 10 µg/Tag
Calcium 1-1.5 g/Tag
chronische Erkrankungen mit Störung der Fettabsorption
(z.B. Pankreatitis, Lebererkrankungen, Morbus Crohn)
nachgewiesene Vitaminmangelzustände
Zusammenfassend kann daher für alle anderen folgende Empfehlung abgegeben werden
täglich:
Klinische Symptome, die auf einen
spezifischen
Nährstoffmangel hinweisen könnten
|
Klinischer Befund |
Ernährungsdefizit |
|
Hautveränderungen |
|
|
Punktiförmige Hautblutungen |
Vitamin A, C |
|
Unterhautblutungen |
Vitamin C, K |
|
Pigmentation |
Vitamin B3 |
|
geringer Turgor (Hautspannung) |
Wasser |
|
Ödeme |
Eiweiß, Vitamin B1 |
|
Blässe |
Vitamin B9, H, B12, B6, Eisen |
|
Dekubiti |
Eiweis, Energie |
|
schuppiges Haut |
Vitamin B6, H, Zink, essenzielle Fettsäuren |
|
schlechte Wundheilung |
Vitamin C, Eiweiß, Zink |
|
Mund und Lippen |
|
|
Zungenentzündung |
Vitamin B2, B3, B6, B12, Eisen |
|
Zahnfleischentzündung |
Vitamin C |
|
Mundwinkeleinriss, Stomatitis |
Vitamin B2, Eiweiß, Eisen |
|
Lippenen-Entzündung, Einriss |
Vitamin B2, B3, B6, Eiweiß |
|
blasse Zunge |
Vitamin B12, Eisen |
|
atrophische Papillen |
Vitamin B2, B3, Eisen |
|
Augen |
|
|
blasse Augenbinde |
Vitamin B9, B12, Eisen |
|
Nachtblindheit, Hornhautzerstörung |
Vitamin A, Zink |
|
Lichtscheue |
Zink |
|
Neurologische Symptome |
|
|
Desorientiertheit, Verwirrung |
Vitamin B1, B2, B12, Wasser |
|
Depression, Lustlosigkeit |
Vitamin H, B9, C |
|
Schwäche, Lähmung der Beine |
Vitamin B1, B5, B6, B12 |
|
periphere Neuropathie |
Vitamin B2, B6, B12 |
|
Gangstörung |
Vitamin B12 |
|
Hyporeflexie |
Vitamin B1 |
|
Zuckungen, Krämpfe |
Vitamin B6, Kalzium, Magnesium |
|
Sonstige Symptome |
|
|
Durchfall |
Vitamin B3, B12 |
|
Anorexie |
Vitamin B1, B12, C |
|
Übelkeit |
Vitamin B5, H |
|
Müdigkeit, Lustlosigkeit |
Vitamin H, Eisen, Magnesium, Energie |
Nach: Pirlich M et
al. DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung: Ernährungsstatus
Aktuel Ernaehr Med 2003; 28, Supplement 1: S10-S25
Wir danken Frau Dr. Karmen Elcic-Mihaljevic, für ihren ausführlichen Vortrag. Walter Tesch




