Welches Insulin für wem?

 

Insulintherapie bei Typ 2 Diabetes

Vortrag von Frau Dr. Susanne Kurzemann

am. 15.03.07 bei den Diabetikern Hainburg

 

Frau Dr. Kurzemann mit Tochter Rhea

 

INSULINTHERAPIE bei TYP 2-
DIABETES

Wann? Wer? Warum? Was? Wie?

Dr. Susanne Kurzemann

Leiterin FIT-Amb./Sanatorium Hera
Ordination: Wahlarzt und Privat

 

Diabetes: Definition

Gruppe von Stoffwechselerkrankungen,
deren gemeinsamer Befund die
HYPERGLYKÄMIE ist

 

Viele aufmerksame Zuhöhrer

 

Typ2-Diabetes: DEFINITION

     °  Störung der Insulinwirkung
         
(Insulinresistenz)

     °   Störung der Insulinausschüttung mit relativem Insulinmangel
          (Insulinsekretionsstörung)   

 

(Typ2) Diabetes: DIAGNOSTIK

     °   Standardisierte Tests und -bedingungen

     °   Erhöhte (Nü) Blutglukosekonzentrationen ( Labormessungen )

     °   Oraler Glukosetoleranztest (75g)

 

Typ2-DIABETES:

EPIDEMIOLOGIE

        Schätzungen weltweit: 

        2000:  ca. 151.000.000 Menschen

           Anstieg um ca. 46% bis

         2010ca. 221.000.000. Menschen erwartet

        

Typ2-DIABETES

RISIKOFAKTOREN

     °   Metabolisches Syndrom- 3 Kriterien

     °   Bauchumfang m>  102 cm, f> 88cm

     °   Triglyceride > 150 mg/dl

     °   HDL- Chol. m< 40 mg/ dl, f< 50 mg/dl

     °   RR > 130/85 mmHg

     °   NüBZ > 110 mg/dl

     °   früher bereits IFT, IGT, Schwangerschaftsdiab. oder Geburt eines
          Kindes mit > 4.500 g KG

     °   Gefäßerkrankung

     °   PCO

  

Typ2-DIABETES: PRÄVENTION

     °   Lebensstilmodifikation:

          Ernährung, Gewicht, körperliche Aktivität

     °   Systematisches Screening:

          Identifikation von RisikopersonenScreening auf Typ2-Diab., IFT, IGT

          NüBZ alle 3 J bei Alter >45 J, zusätzl. Risikofaktoren öfter

          wenn NüBZ  > 100mg/dl u./od. metabolisches Syndrom: oGTT

     °   Medikamentöse Prävention dzt. nicht empfohlen

   

MEMO

Es ist durch Studien belegt, daß durch

LEBENSSTILMODIFIKATION

     °   die Entstehung des Typ2-Diab. verhindert/verzögert werden kann

     °   das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verringert werden kann

     °   die Lebensqualität verbessert werden kann

 

Typ2-DIABETES: WER braucht WANN Insulin?

ÖDG- Leitlinien für die Praxis  2004  - I

         Grundsätzlich:

     °   ab einem HbA1c von 7.5%, wenn sonst alle Therapiemöglichkeiten

          ausgeschöpft sind

     °   bei akuter Stoffwechselentgleisung

     °   bei akuten Gefäßkomplikationen

     °   perioperativ

 

Typ2- DIABETES: WER braucht WANN Insulin

ÖDG- Leitlinien für die Praxis 2004 - II

     °   Erreichung der Zielwerte:

          HbA1c bis 6.5% (7.5%), (NüBZ bis 110 mg/dl (130 mg/dl),

          postprandial bis 135 mg/dl (180 mg/dl )) zur

     °   Erreichung der Therapieziele:

          Vermeidung von Akutkomplikationen, 

          Vermeidung von Spätkomplikationen,

          Vermeidung von Symptomen

          Erhalt / Wiederherstellung der Lebensqualität

   

Typ2- DIABETES: WER braucht WANN Insulin?

ÖDG- Leitlinien für die Praxi 2004 - III

Praktisches  Vorgehen

         HbA1c, NüBZ und post-                            HbA1c, NüBZ und post- 

         prandialer BZ im Ziel-                                prandialer BZ über den

         bereich:                                                       Zielwerten:

         Keine Änderung                                          Therapieanpassung 

         Kontrolle in 3 Monaten                               Kontrolle in 3 Monaten

 

Typ2- DIABETES: WER braucht WANN Insulin?

ÖDG- Leitlinien für die Praxis 2004 - IV

         Therapieformen/-möglichkeiten:

    1.  Kombination von oralen Antidiabetica mit 1x tgl. Verzögerungsinsulin

    2.  1-2x tgl. Langzeitinsulin

    3.  2-3x tgl. Mischinsulin

    4.  Schnellwirksames Insulin zu den (Hauptmahlzeiten) und

         gegebenenfalls 1-2x tgl. Langzeitinsulin

    5.  Funktionelle Insulintherapie

  

Formen der Insulintherapie

1. Kombination mit oralen Antidiabetica

    °   Was: Tabletten  1-3 x tgl. plus 1x Langzeitinsulin abends od. zur Nacht

    °   Wer. z. B. Typ2- DIABETIKER mit hohem NüBZ, deren BZ- Werte

        tagsüber mit den Tabletten im Zielbereich sind 

 

Vor- und Nachteile:

1. Kombination  mit  oralen Antidiabetica

     °   Vorteile: nur ein Stich, einfacher für Patienten, die Probleme mit der

          selbständigen Therapie- Durchführung haben

     °   Nachteile: meist nur vorübergehende Option, da mit fortschreitender

         Insulinsekretionsstörung die Tabletten ihre Wirksamkeit verlieren,

         schlechte Steuerbarkeit, keine Flexibilität bezüglich Ernährung

 

Formen der Insulintherapie

2. Basale Insulintherapie

     °   Was: 1 - 2 x tgl. Langzeitinsulin wie z. B. NPH-Insulin Glargine,

         Insulin  Detemir, (ultralang wirksames Zinkinsulin)

     °   Wer: Typ2- Diabetiker mit hohem NüBZ und nur geringer

         postprandialer Hyperglykämie

             

Vor- und Nachteile:

2. Basale Insulintherapie

     °   Vorteile: nur 1-2 Stiche, limitierte Senkung des NüBZ und des

         BZ-  "Gesamtniveaus"

     °   Nachteile: nicht geeignet für postprandiale BZ Senkung, schlechte

         Steuerbarkeit, fehlende Flexibilität bzgl. Nahrungsaufnahme,

          meist indent mit 1. 

 

Formen der Insulintherapie

3. Mischinsuline

     °   Was : 2-3 x tgl. Mischinsulin (lang- + kurzwirksames Insulin - Analogon,

         NPH-Insulin + Normalinsulin in unterschiedlichem Mischverhältnis)

     °   Wer: Typ2- Diabetiker, die einen regelmäßigen Tagesablauf haben,

         geringe BZ- Schwankungen, Patienten, die mit anderen Therapieformen

         überfordert sind

 

Vor- und Nachteile:

3. Mischinsuline

     °   Vorteile:  nur 2-3 Stiche,Beeinflussung von NüBZ und postprandialen

         BZ- Werten möglich

     °   Nachteile: schlechte Steuerbarkeit, fehlende Flexibilität bzgl. Nahrungsaufn.

  

Formen der Insulintherapie

4. Prandiale Therapie

     °   Was: kurz- und schnell wirksame Insulinanaloga, Normalinsulin zu den

         Hauptmahlzeiten, evtl. ergänzt durch 1-2 x tgl. Langzeitinsulin

     °   Wer: Typ2-Diabetiker mit vorwiegend postprandialer Hyperglykämie

  

Vor- und Nachteile:

4. Prandiale Insulintherapie

     °   Vorteile: gute Beeinflußbarkeit der postprandialen BZ-Werte,

         Flexibilität bzgl. Nahrungsaufnahme, Korrekturmöglichkeit bei zu

         hohen BZ-Werten

     °   Nachteile: fehlende Beeinflußbarkeit des NüBZ, mehr Therapie-

         aufwand, oft zu viel Insulin, zu viel Kalorienzufuhr, Gewichtszunahme

 

Formen der Insulintherapie

5. Funktionelle Insulin -Therapie

     °   Was: 2-3 x tgl. Langzeitinsulin (Basis),  Kurzzeitinsulin zu jeder

         (kohlenhydrat-haltigen) Mahlzeit, Korrekturen von BZ- Werten außerhalb

         des Zielbereichs- jeweils individuelle Rechenregeln zur Dosierung

     °   Wer:  Unter Zyp2-Diabetikern diejenigen, die einenflexiblen Tagesablauf

         wollen und bereit und fähig sind, den therapeutischen Mehraufwand

         zu betreiben

   

Vor- und Nachteile:

5. Funktionelle Insulin -Therapie 

     °   Vorteile: maximale Flexibilität bzgl. Nahrungsaufnahme,

         Korrekturmöglichkeit bei zu hohen BZ- Werten

     °   Nachteile: Gefahr der Gewichtszunahme, erhöhtes Hypoglykämierisiko,

         großer therapeutischer Aufwand, hoher Schulungsaufwand

 

(Typ2)- DIABETES:

Blutzuckerselbstmessung

     °   Je intensiver die Therapiemethode, desto mehr tägliche

         Messungen erforderlich........

     °   Immer messen bei Hypogefühl und Unsicherheit

     °   Kurzemann: bei Th 1 und 2 besser ein Tagesprofil pro Woche

          als tgl. NüBZ....

     °   Sinnvoll: Messungen, aufgrund derer aktuell BZ- Korrekturen (mit

         Kurzzeitinsulin bzw. BE) durchgeführt werden können

 

MEMO

Gleiche Stoffwechseleinstellung mit

mehr Aufwand ist schlechter

 

Zusammenfassung 1

     °   Für die Behandlung des Typ2- Diabetikers nach Ausschöpfung aller 

          anderen Therapiereserven stehen verschiedene Insulintherapie- Schemata

          zur Verfügung, die je nach medizinischer Notwendigkeit und subjektiven

          Bedürfnissen ausgewählt und umgesetzt werden

 

Zusammenfassung 2

     °   Ziele der jeweiligen Therapie sind die Erreichung der Stoffwechselzielwerte,

         Symptomfreiheit, die Vermeidung von Akut- und Spätkomplikationen,

         die Kostenmimimierung

UND

die subjektive Zufriedenheit

(Lebensqualität)

 

Zusammenfassung  3

         Zur Erreichung der Ziele werden zunehmend individuelle Modifikationen

         der Therapie- Schemata vorgenommen, was eine  intensive Schulung und

         wiederholte Wissensauffrischung der Patienten voraussetzt.

 

Wir danken Frau Dr. Susanne Kurzemann

für den hervorragenden und leicht verständlichen Vortrag

                                            Walter Tesch

 

 

 

Dr. Susanne Kurzemann
Fachärztin für Innere Medizin
Schwerpunkt Diabetes
Ordination nach tel. Vereinbarung
Wahlarzt und Privatarzt 
1030 Wien,
Barrichgasse 30, Stiege 4, Top B3
Tel. 0660/469 19 99